Erste Hilfe und Notfallnummern in Deutschland: Was Pflegekräfte wissen müssen

In der 24-Stunden-Pflege kann ein Notfall jederzeit eintreten. Ob Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sturz: Als Pflegekraft bist Du oft die erste Person vor Ort und musst in solchen Momenten ruhig, schnell und richtig handeln. Welche Notfallnummern Du in Deutschland kennen musst und was Du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun kannst, erfährst Du in diesem Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze
- 112 ist die Nummer für Notfälle: Rettungsdienst und Feuerwehr, kostenlos, rund um die Uhr erreichbar
- 116117 für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden: Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist abends, nachts und am Wochenende erreichbar
- 110 für die Polizei: Bei Verbrechen, Einbrüchen oder akuter Gefahr
- Ruhig bleiben und vollständig informieren: Ort, Vorfall, Anzahl der Betroffenen und Symptome klar schildern
- Nie auflegen: Die Leitstelle führt das Gespräch und gibt Dir Anweisungen bis der Rettungsdienst eintrifft

Die wichtigsten Notrufnummern in Deutschland
In Deutschland gibt es drei Nummern, die Du als Pflegekraft auswendig kennen solltest. Alle drei sind kostenlos, auch vom Mobiltelefon aus.
112: Rettungsdienst und Feuerwehr
Die 112 ist die europaweit einheitliche Notrufnummer für lebensbedrohliche Situationen. Sie funktioniert in ganz Deutschland und in allen EU-Ländern, immer kostenlos und ohne SIM-Karte. Ruf die 112 an, wenn:
- jemand bewusstlos ist oder nicht mehr atmet
- Du einen Herzinfarkt oder Schlaganfall vermutast
- jemand gestürzt ist und starke Schmerzen hat oder sich nicht bewegen kann
- es einen Brand oder Unfall gibt
- eine Person lebensbedrohlich verletzt ist
116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Die 116117 ist der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst. Diese Nummer ist die richtige Wahl, wenn ärztliche Hilfe nötig ist, die Situation aber nicht lebensbedrohlich ist. Sie ist erreichbar abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen, also genau dann, wenn die Arztpraxen geschlossen haben.
Typische Anlässe für die 116117:
- hohes Fieber, das nicht sinkt
- starke Schmerzen ohne klare Ursache
- Erkrankung, die nicht bis zum nächsten Praxistag warten kann
- Unsicherheit, ob ein Arztbesuch notwendig ist
110: Polizei
Die 110 ist die Notrufnummer der Polizei. Wähle sie bei Einbrüchen, Körperverletzung, wenn Du Dich oder die betreute Person in Gefahr siehst oder wenn Du Zeuge eines Verbrechens wirst.

Den Notruf richtig absetzen: Die 5 W-Fragen
Wenn Du die 112 oder 110 anrufst, wirst Du von der Leitstelle durch das Gespräch geführt. Dennoch hilft es, vorbereitet zu sein. Halte Dich an die fünf W-Fragen:
Häufige Notfallsituationen in der Pflege
Ältere Menschen sind besonders anfällig für bestimmte Notfälle. Wer die häufigsten Situationen kennt, kann sie schneller erkennen und richtig reagieren.
Bei einem Herzinfarkt klagt die betroffene Person über anhaltenden Druck oder Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Arm, Schulter, Hals oder Kiefer ausstrahlen können, dazu oft Übelkeit, Schweißausbruch und Atemnot. Bei Frauen und Diabetikerinnen können die Symptome untypisch sein und sich nur als starkes Erschöpfungsgefühl oder Oberbauchschmerzen zeigen. Sofort die 112 rufen, enge Kleidung lockern und ruhig bei der Person bleiben.
Einen Schlaganfall erkennst Du mit dem FAST-Test:
| Buchstabe | Was testen | Warnsignal |
| F – Face (Gesicht) | Bitte die Person zu lächeln | Ein Mundwinkel hängt herunter |
| A – Arms (Arme) | Bitte die Person, beide Arme zu heben | Ein Arm sinkt ab oder kann nicht gehoben werden |
| S – Speech (Sprache) | Bitte die Person, einen einfachen Satz zu sprechen | Spricht undeutlich, stockend oder gar nicht |
| T – Time (Zeit) | Bei einem dieser Zeichen sofort handeln | Jetzt die 112 anrufen! |
Bei einem Sturz die Person nicht sofort aufhelfen, das kann bei einem gebrochenen Knochen großen Schaden anrichten. Ruhig ansprechen, Schmerzen erfragen und die 112 rufen, wenn die Person sich nicht bewegen kann, starke Schmerzen hat oder Du die Verletzung nicht sicher einschätzen kannst.
Bei Bewusstlosigkeit laut ansprechen und die Schultern vorsichtig rütteln, dann die Atmung prüfen. Atmet die Person, kommt die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. In allen Fällen zuerst oder parallel die 112 anrufen.

Erste Hilfe: Was Du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun kannst
Du musst kein ausgebildeter Sanitäter sein, um im Notfall helfen zu können. Zwei Maßnahmen sind besonders wichtig und können Leben retten: die stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung und die Herzdruckmassage, wenn keine Atmung mehr feststellbar ist. Beide lernst Du hier Schritt für Schritt.
Die stabile Seitenlage
Die stabile Seitenlage ist eine der wichtigsten Maßnahmen der Ersten Hilfe. Sie verhindert, dass eine bewusstlose Person an Erbrochenem oder ihrer eigenen Zunge erstickt. So geht es:
- Knie neben der Person auf ihrer rechten Seite
- Lege ihren rechten Arm im rechten Winkel vom Körper weg
- Lege ihren linken Arm über die Brust, sodass die Hand auf der rechten Wange liegt
- Beuge das linke Knie an
- Rolle die Person vorsichtig auf die rechte Seite, indem Du am angewinkelten Knie ziehst
- Stabilisiere die Position: Das angewinkelte Knie liegt auf dem Boden, der Kopf liegt auf der Hand
- Mund leicht öffnen, damit Flüssigkeit ablaufen kann
- Regelmäßig prüfen, ob die Person noch atmet, bis der Rettungsdienst kommt
Herzdruckmassage
Wenn eine Person bewusstlos ist und nicht atmet, ist sofortiges Handeln nötig. Ohne ausreichend Sauerstoff sterben Gehirnzellen bereits nach wenigen Minuten ab. Rufe zuerst die 112 und beginne dann sofort mit der Herzdruckmassage. Die Leitstelle erklärt Dir am Telefon Schritt für Schritt, was zu tun ist.
Grundprinzip:
- Lege beide Hände übereinander auf die Mitte des Brustkorbs
- Drücke kräftig und schnell, etwa 5 bis 6 Zentimeter tief, und lass den Brustkorb zwischen den Stößen vollständig hochkommen
- Tempo: 100 bis 120 Drücke pro Minute (ungefähr im Takt von „Staying Alive” von den Bee Gees)
- Wenn Du weißt, wie man beatmet: 30 Drücke, dann 2 Beatmungen
- Wenn Du nicht beatmen kannst oder willst: Nur die Herzdruckmassage kontinuierlich fortführen, das ist besser als gar nichts
Hör nicht auf, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Fazit: Im Notfall ruhig bleiben und Hilfe rufen
Besonders im hohen Alter kann es zu Notfallsituationen kommen. Du solltest daher wissen, wen Du im Notfall anrufst, wie Du einen Notruf vollständig absetzt und was Du in den entscheidenden Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun kannst. Drei Nummern sind dafür zentral: die 112 für lebensbedrohliche Notfälle, die 116117 für dringende Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten und die 110 für die Polizei.
Genauso wichtig wie das Wissen ist die Vorbereitung. Speichere die genaue Adresse des Haushalts schon am ersten Einsatztag in Deinem Telefon, frage nach der Medikamentenliste und den wichtigsten Vorerkrankungen der betreuten Person und kläre, ob es eine Notfallmappe im Haushalt gibt. Wer diese Grundlagen kennt und griffbereit hat, kann im Ernstfall schnell und sicher handeln.
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FAQ: Häufige Fragen zum Thema Erste Hilfe und Notfallnummern in Deutschland
Notrufnummer ist die 112. Sie ist kostenlos, rund um die Uhr erreichbar und verbindet Dich mit Rettungsdienst und Feuerwehr. Für Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten ohne direkte Lebensgefahr gibt es die 116117, den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Bleib ruhig und beantworte die Fragen der Leitstelle nach den 5 W-Fragen: Wo ist es passiert, was ist passiert, wie viele Personen sind betroffen, welche Symptome liegen vor und warte auf Rückfragen. Lege nie zuerst auf, die Leitstelle führt das Gespräch.
FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Hängt ein Mundwinkel herunter, kann ein Arm nicht gehoben werden oder spricht die Person undeutlich, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Sofort die 112 anrufen.
Ja, und Du bist sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Jeder Mensch in Deutschland ist zur Ersten Hilfe verpflichtet, wenn es ihm zumutbar ist. Als Pflegekraft bist Du oft die einzige Person vor Ort und Dein Handeln kann Leben retten.
Die 116117 ist der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst, der abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen erreichbar ist. Du rufst dort an, wenn die betreute Person ärztliche Hilfe braucht, die Situation aber nicht lebensbedrohlich ist, zum Beispiel bei hohem Fieber oder starken Schmerzen ohne erkennbaren Notrufbedarf.
Quellen & weitere Informationen:
- malteser.de – Malteser: Notrufnummern in Deutschland, was Du wissen musst
- drk.de – Deutsches Rotes Kreuz: Erste Hilfe beim Schlaganfall
- herzstiftung.de – Deutsche Herzstiftung: Erste Hilfe bei Herzinfarkt und Herzstillstand